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Fragmente aus der Chronik der Lilien:

Der Kampf um den nurischen Herztempel und die Heimkehr aus den Kolonien

Getreulich aufgezeichnet von Arya Mendos Telíësin, Leiter der Heimkehr von Salbin und Esir, Bezwinger von Uchok Ur und Retter der Vanari.


Die Sintirim der alten Vorpostens Lorándinel waren unter König Orondil die Beherrscher des westlichen Sternenmeers, und der Forscher und Fürst der Flotte Dreathálies war nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Königshaus in den noch wilden Osten gesegelt und hatte ein neues fruchtbares und reiches Land an der Sternenmeerküste südlich der Bucht des Telamonios gefunden und gefestigt.


Zu seinem Gram waren allerdings in diesem schönen Land die üblen Stämme der Menschen immer wieder mit Krieg und Brand gegeneinander gezogen, vor allem im Norden. Und nicht nur dies, auch Magier und Wunderwirker ihres halb zivilisierten Volkes kamen immer wieder über die Grenzen der jungen Kolonie, um Dreathálies, nunmehr König der Kolonie und Herr der Lilien, mit ihren Querelen und Kriegen zu behelligen. Dreathálies wusste um die Jugend seiner Kolonie und die geringe Zahl seines Volkes, aber die Seher von Salbin weissagten ihm, dass diese neue Bedrohung, von der die Menschen im Namen des Stammesführers Atanar und der zauberischen Riesenstadt Ruachinna zu ihm sprachen, nicht nur eine Bedrohung dieser Stämme darstellte, sondern auch für das Volk der Elben Unheil und Gefahr in sich barg. So sammelte Dreathálies sein Heer unter dem Banner der Lilien und zog nach Ruachinna, um sich mit Atanar zu verbünden.


Der König entschied in Übereinkunft mit dem Menschen Atanar, dass die dunkle Bedrohung, die vom Volk der Nurier, und ganz besonders von deren Priesterkaste ausging, zu groß war, als dass man zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine offene Schlacht wagen könne. Zudem ging über die Priester der Nurier die Sage, sie wären diverser schwarzer Künste mächtig und überdies sogar Blut trinkende Nachtgestalten. Man kam also überein, das Heer der Nurier dort zu treffen, wo es am verletzlichsten war, und eine Gruppe von erfahrenen Vetranen auszuschicken, um ihren sogenannten „Herztempel“ zu erobern und nach Möglichkeit zu zerstören. Diese Operation sollte die magische Macht der nurischen Priester und die Moral der Truppe hinreichend schwächen, um das nurische Heer in der entscheidenden Schlacht vernichtend zu schlagen. Atanar stellte die Gruppe gemeinsam mit Dreathálies zusammen, und wählte Mesmothauris, einen besonders fähigen Magier-Priester des Ordens von Antar, Esir, einen ortskundigen Späher und Krieger aus dem Volk der Vanari, dem die Nurier besonders schlimm zugesetzt hatten, und Testeron, einen besonders starken Krieger aus seinem eigenen Stamm. Dreathálies gab ihm seinen persönlichen Vertrauten und Gardeoffizier Mendos Telíësin mit auf die gefährliche Mission, direkt auf das Heer der Nurier zu.


Innerhalb des Stoßtrupps gab es wenig Gelegenheit zum Kennenlernen, zu sehr drängte die Zeit, denn das Heer der Nurier marschierte auf Ruachinna, um ihren dunklen Gott, Uchok Ur, dort wieder in die Welt zu holen, und es näherte sich mit schnellen Schritten. Der Stoßtrupp hatte eine Woche Zeit, seine Mission zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, dann würden Atanar und der junge Elbenkönig einen gemeinsamen Angriff auf das herannahende nurische Heer wagen und hoffen, dass die Truppe den so wichtigen Tempelstein zerstört hätte. Man verlor also keine Zeit und reiste im Eilmarsch bei Nacht und mit nur wenigen Rastpausen nach Norden, dem nurischen Heer entgegen. Mesmothauris stellte sich als Heiler und Seher vor, und er war der einzige Garant der Gruppe, den Herztempel auch zu finden, denn niemand außer ihm wusste, wie der Gegenstand eigentlich aussah, den es zu zerstören galt. Man verließ sich also auf sein übernmatürliches Gespür und seine magischen Kräfte, während die Gruppe auf Esir, den etwas verängstigten Vanari vertraute, um sie sicher durch das bergige Terrain zu führen. Esir hatte wohl schon besonders üble Erfahrungen mit dem Volk der Nurier gemacht. Während der Grauelb Mendos immer wieder Wasser für die Gruppe aufspürte, fiel Testeron durch nichts anderes auf als durch Schweigsamkeit, seine unermüdliche Ausdauer und seine fahle Hautfarbe.


Schon unterwegs hörte man von aus den umliegenden Dörfern schreckliche Geschichten von den brandschatzenden und mordenden Nuriern und ihren schreckenerregenden Kriegshunden, die sie auf die wehrlosen Dorfbewohner hetzten. Die Truppe hielt sich aber abseits der Pfade und vermied die vanarischen Dörfer ebenso wie sie erfolgreich die nurischen Spähtrupps umging. So konnte man im Morgengrauen des siebenten Tages ein kleines Feldlager ausfindig machen, das nach Auskunft von Mesmothauris eine besonders mächtige Präsenz enthielt, die alle mit der Beschreibung des gesuchten Herztempels in Verbindung brachten, und so bereitete man sich auf einen Angriff vor. Der vereinbarte Plan sah vor, Mesmothauris und Testeron in Gestalt zweier Nurier vorauszuschicken, um einen der beiden Wachtrupps, die je einen Kriegshund dabei hatten, abzulenken und nach Möglichkeit zum Schweigen zu bringen, während Esir den Hund ausschalten sollte und Mendos, der Bogenschütze, aus dem Hinterhalt so viele Nurier wie möglich mit seinen Pfeilen töten sollte. Aber alles kam anders, als man geplant hatte.


Mesmothauris nahm die Gestalt eines Nuriers an, und auch Testeron verschwand plötzlich, und bald darauf tauchte an seiner Stelle ein Nurier auf, mit den Worten „Auch ich kann mich verwandeln.“, obwohl Testeron bisher weder Zauberkräfte gezeigt, noch von solchen gesprochen hatte. Mendos wurde misstrauisch, drückte dem Nurier seinen Dolch an die Kehle, und verlangte von ihm, zu beweisen, dass er als Testeron mit ihnen bis hierher gezogen sei. Das fiel dem Nurier nicht schwer, denn dies war es nicht, was seinen späteren Verrat ausmachen sollte. Mendos ließ also von ihm ab, und der Plan wurde wie vereinbart begonnen, indem alle ihre zugewiesenen Positionen einnahmen. Mesmothauris und Testeron bewegten sich auf die beiden Wachhabenden mit ihrem Hund zu, während Esir in Gestalt einer Dohle über das Lager flog und Mendos aus deiner geschützten Stellung – ca. 15 Schritte entfernt aus dem Gebüsch – bereit stand, beim ersten Anzeichen einer Aufregung zu schießen. In diesem Moment entpuppte sich Testeron als das, was er war, ein echter Nurier, leider konnte das in der allgemeinen Aufregung nur Mesmothauris feststellen, alle anderen agierten wieder nach dem Plan. Testeron, der Nurier, dessen Name tatsächlich Imoi war, rief den beiden Wachen zu, sie sollten, im Namen von Iranage, deren Wappen er gleichzeitig auf seiner Brust entblößte, das Lager alarmieren und den Herzstein in Sicherheit bringen.


Mesmothauris war der nurischen Sprache nicht mächtig, ebenso wie die anderen beiden Gefährten, aber er ahnte bereits übles. Imoi hatte allerdings nicht mit der Geschwindigkeit der Pfeile von Mendos gerechnet, der die beiden Wachhabenden mit sicherer Hand und geisterhafter Genauigkeit niederstreckte. Nichtsdestotrotz wart es ihm gelungen, Alarm zu geben, sodass das Lager in Aufruhr geriet, und die verschlafenen Soldaten aus den Zelten stolperten, um ihr Lager zu verteidigen. Allerdings endeten die meisten Verteidiger auf der dem Waldstück zugewandten Seite entweder im Hagel der wohlgezielten Pfeile des Todesschützen Mendos oder in den magischen Gewalten des Feuers und der Erde, die Mesmothauris gegen sie entfesselte. Esir behielt in dem Getümmel den Überblick und lenkte Mendos’ Pfeile durch Zurufe, während Mesmothauris mitten im Lager focht. Imoi ließ sich indessen von der allgemeinen Aufregung nicht beirren. Er wusste, dass die beiden nurischen Priester ihren Kriegern wegen des gerade anbrechenden Tages keine Hilfe sein konnten, und nahm eines der von den ursprünglich sechs Pferden verbliebenen Reittiere, um den Herzstein auf eigene Faust zu retten.


Es gelang ihm auch, in das Zelt zu kommen, und das Kind, in dessen Brust sich der Herzstein bereits befand, an sich zu drücken und sich auf das Pferd zu schwingen. In diesem Moment entstand aber eine kurze Kampfpause für Mesmothauris, und diese nützte er, um Mendos’ Aufmerksamkeit auf Imoi zu lenken: „Er hat den Herzstein!“ rief er, und „Halte ihn auf, um jeden Preis!“ Mendos verschoss ein halbes Dutzend seiner sonst so tödlichen Pfeile auf den fliehenden Imoi, während er ebenfalls ins Lager vorrückte, um sich ein Pferd zu holen, aber Imoi schien die Geschoße nicht einmal zu spüren. Nur ein Zauber von Mesmothauris, der Imois Pferd in einer Erdspalte verschwinden ließ, verhinderte, dass sich der Nurier absetzen konnte. In der schaurigen Erkenntnis, dass seine Pfeile wirkungslos blieben, setzte Mendos, nun ebenfalls beritten, dem Nurier nach, der, das Kind schützend an seine Brust gedrückt, dem Wald zustrebte. Mendos fürchtete bereits, es mit einem unsterblichen Dämon zu tun zu haben, als er von seinem Pferd aus mit dem Elbenschwert einen fürchterlichen Streich gegen Imoi führte.


Imoi hatte nur noch Zeit gehabt, das ca. sechsjährige Kind in Richtung des Waldes zu werfen und „Lauf! Lauf zu Iranage!“ zu rufen, bevor Mendos’ Klinge seinen Kopf von seinen Schultern trennte. Dieser Streich beendete den Kampf um den Herztempel der Nurier, denn mit Imoi war ihr gefährlichster Verteidiger gefallen, und die Gefährten um Mesmothauris hatten den Sieg davongetragen. Mendos nahm das Kind in seine Arme und überreichte es an Mesmothauris. Die Gefährten brachen sofort aus und zogen zurück nach Ruachinna, wo sie von der Schlacht gegen die Nurier erfuhren, die offenbar siegreich verlaufen war. Die Energie des Herzsteins der Nurier wurde dem Tempel in Ruachinna zugeführt, aber das Heer der Lilien unter König Dreathálies erfuhr ein bitteres Schicksal. In der Schlacht vor Ruachinna, kurz vor der entscheidenden Wende zuungunsten der Nurier, drängte ihr oberster Priester, Itonai, in die vorderen Reihen und stieß im Namen seines Gottes Uchok Ur einen schrecklichen Fluch gegen das elbische Heer aus, und eine trübe Finsternis zog über das Schlachtfeld. Uchok Ur selbst sank hernieder aus der Finsternis und raubte die leuchtenden, ewigen Seelen der Elben, die er mitnahm in den tiefsten Schlund des Abgrundes.


Der Heerbann der Stämme von Atanar vernichtete danach das nurische Heer, und die Nurier wurden in alle Teile des Landes verstreut und vernichtet, aber das Heer der Lilien bestand nicht mehr aus lebenden Elben, sondern aus bloßen Schatten ihrer selbst. Dreathálies sammelte seine Getreuen um sich, und beschloss, nicht länger auf den nunmehr trüben Wegen dieser Welt zu wandeln und sich mit dem gesamten Heer der Lilien aus der Geschichte zu verabschieden. Mendos kam gerade noch zurück, um Zeuge des grimmen Schicksals der Besten seines Volkes zu werden, und ihr Vermächtnis in das junge Königreich zu Salbin zu bringen. Er wurde der Letzte der Lilien, und führte nach einiger Zeit die Kolonisten als Herr der Heimkehr zurück an die Ufer von Lorándinel, ohne eine Spur des Elbischen Reiches der Lilien zu hinterlassen. Nur in der Erinnerung von Mendos und den Kolonisten von Salbin blieb das Gedenken bestehen an den einst so hellen Stern von Salbin, an Dreathálies und seine Königin, Eltaniris die Suchende, die dem Herrn der Dunklen Lilien, wie er in späteren Chroniken genannt wurde, nachfolgte in den Weltenschatten, der ihn und sein Heer verbarg, ebenso wie an die Frauen der Lilien, die entweder mit Mendos heimkehrten und neue Männer nahmen, oder Eltaniris nachfolgten.


Esir benachrichtigte sein Volk, die Vanari, vom Sieg über die Nurier, und schloss sich Mendos Telíësin an. Mendos, als Chronist und Letzter des Volkes der Dunklen Lilien, schenkte ihm seinen Bogen und sein Schwert, da er keine Elemente aus dem Krieg der Lilien gegen die Nurier nach Salbin bringen wollte. Später, als das junge Atanien die Vanari verdrängte, wurde Esir’s Geschichten eine der letzten Quellen über dieses nun fast vergessene Volk. Mesmothauris hingegen wurde zum Mitgründer und später zum Verräter des Ordens von Antar, er schuf ihn mit und konstruierte dessen Untergang, aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.


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